DM Einradrennen in Warendorf
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DM Einradrennen in Warendorf

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Deutsche Meisterschaft Einradrennen Warendorf (bei Münster) 5. bis 7. Juni 2015

Samstag, 6.6.

Ungefähr 700 Kilometer nordwestlich mussten wir heuer reisen, um an den Deutschen Meisterschaften im Einradrennen teilnehmen zu können, die an diesem Wochenende in Warendorf bei Münster stattfinden.

Seit Donnerstag Abend sind wir nun hier und haben bisher heiße Wettkämpfe und eben solche Temperaturen erlebt. Vor allem der Freitag mit seinen 37 Grad im Schatten war eine echte Herausforderung. Welche Temperaturen in der Sonne auf dem Tartan herrschten, haben wir lieber gar nicht erst nachgeschaut.

In den ersten Wettkampftag, der um 14 Uhr begann, hatte der Veranstalter nahzu alle Technikdisziplinen hineingepackt. So mussten Weit- und Hochsprung, IUF-Slalom, Coasting sowie langsam vorwärts und langsam rückwärts absolviert werden. Dazu gab es noch die 800 Meter-Rennen. Wir hatten ziemlich zu tun, um an allen Wettkampfstätten überhaupt und einigermaßen pünktlich und mit den passenden Materialien zu erscheinen.

Im Weitsprung wurde es für Henriette Platz eins in der AK U13 mit 1,80 Meter (Platz zwei ging mit 1,20 Meter weg). Micha sprang 1,20 Meter weit und wurde in der AK 19 + Fünfter.

Im Hochsprung holte Henriette Silber mit 35 cm. Micha sprang ebenfalls 35 cm hoch und wurde Sechster.

Der IUF-Slalom brachte Jette Platz zwei mit 22,33 s. Die 800 Meter musste sie aus Zeitgründen weglassen, die passten einfach nicht mehr in den vollen Plan. Michael wurde über 800 Meter Vierter.

Ziemlich erschöpft von der Hitze und der straffen Abfolge der Wettbewerbe saßen wir am Abend noch bei einem Italiener in der sehr schönen Altstadt Warendorfs und sind danach völlig erledigt in die Betten gefallen.

Am Samstag morgen war die ganz große Hitze vorüber und die Wettkampfbedingungen um einiges besser als am Vortag. Vor allem der ohnehin schon sehr weiche und durch die hohen Temperaturen noch mal schwammigere Belag hatte wieder eine gewisse Stabilität.

Im Stadion angekommen lasen wir sehr überrascht Henriettes Namen sowohl auf der Liste der Qualifikanten für das Juniorexpertfinale im Weitsprung als auch im Hochsprung. Damit hatte keiner gerechnet, und auf Springen war sie im Grunde auch gar nicht eingestellt. Aber da hieß es flexibel sein. Dem nun völlig umgekrempelten Tagesablauf sind dann die 100 Meter zum Opfer gefallen, aber da muss man eben Prioritäten setzen. Das 30m Wheelwalkrennen war gerade noch machbar. Dort wurde es Platz vier in neuer persönlicher Bestleistung und noch mal eine Qualifikation fürs Juniorexpertfinale. In dem ging dann aber die Post ab halleluja! Jette hat bis zum Schluss vorn mitmischen können, ist dann aber auf dem letzten Meter leider abgestiegen. Doch was wäre das noch mal für eine neue Bestzeit geworden, bei einer Siegerzeit von 7,70 Sekunden.

Das Weitsprungfinale war dann schon ein Ereignis der besonderen Art. Noch nie ist sie vor so vielen Zuschauern gesprungen, die nur auf die acht Weitspringerinnen fokusiert waren. Und acht waren es nur ganz am Anfang, es sind dann schnell nur noch Henriette und Leonie Elsner aus der U15 übrig geblieben und haben sich duelliert. Am Ende war Leonie verdient vorn, sie springt normal schon über 2 Meter. Da reicht Jette noch nicht ran. Insgesamt sind aber die Weitsprungergebnisse in allen Finals eher kürzer ausgefallen als sonst üblich, weil der zwar wunderbar saubere, aber zu elastische Belag keine größeren Weiten hergab.

Ein tolles Erlebnis war es allemal. Im Hochsprungfinale sprang dann in des Wortes wahrstem Sinne noch eine neue Bestleistung heraus mit 38 cm. Das reichte zu Platz vier.

Micha wurde heute Siebter über 400 Meter. Die hat Henriette weggelassen, dafür langten am Ende des Tages weder Zeit noch Kraft.

Morgen gibt es noch die 50 Meter Einbein und die 10 Kilometer Straßenrennen.

Sonntag, 7.6.

Als wir heute im Stadion ankamen, waren die 50 Meter Einbein Wettbewerbe schon im vollen Gange. Unser Frühstück hatte ein wenig länger gedauert … Henriette und ihr Haus- und Hoftechniker bekamen deshalb gleich am frühen sonntäglichen Morgen ein wenig Stress – mit der Materialauswahl und mit der nur geringen Zeit fürs Einfahren: schmales Rad auf die Rennhexe oder doch eher das etwas breitere Straßenrad. Normalerweise stellt sich die Frage nicht. Außer Wheelwalk wird alles auf der Bahn mit dem schmalen Reifen gefahren. Aber der so besonders weiche Tartan in Warendorf machte dann doch ein paar Tests notwendig. Es wurde das übliche Bahnrad. Im Rennen kam dann eine recht respektable Zeit heraus, eine Verbesserung zum letzten Jahr, aber doch nicht das, was eigentlich möglich wäre, wenn der Lauf optimal verläuft. Bei 25 m musste Jette jedoch einen kleinen Schlenker ausgleichen, und das Manöver kostete die drei Zehntel, die es für eine Medaille hätte schneller gehen müssen.

Und dann gab es abschließend die 10 Kilometer Straßenrennen, wunderbar durchdacht und perfekt organisert, einfach ein Genuss für die Fahrer. Es wurde im Stadion gestartet, und auch der Zieleinlauf fand im Stadion statt. So etwas haben wir bisher in dieser Disziplin noch nicht erlebt. Jeder Fahrer hatte mit der Startnummer zwei Transponderbänder ausgehändigt bekommen, die links und rechts am Schuh befestigt wurden. Mit deren Hilfe und durch Überfahren einer Antennenanlage wurde für jeden Sportler die reine Nettofahrzeit gemessen. In Vierergruppen gingen die Fahrer an den Start, absolvierten erst eine Runde im Stadion und machten sich dann auf die Strecke rund um Warendorf, für die sämtliche genutzten Straßen abgesperrt waren. Und jeder einzelne zurückkommende Starter wurde dann vom Publikum bejubelt und vom Stadionsprecher mit Namen und erreichter Zeit benannt.

Viel früher als erwartet rollte Micha nach den 10 Kilometern wieder ins Stadion ein und wurde in der Unlimited-Klasse Vierter, vor ihm nur die ganz jungen Burschen. Wieder einmal war es schade, dass es keine Altersklasse 30 + gab, dort hätte er ganz oben auf dem Siegerpodest gestanden. Seine Zeit war um 2 Minuten besser als im Vorjahr in Montreal.

Henriette kam ins Ziel, nahm ihren Helm vom Kopf, schnappte sich eine Wasserflasche und sprang behende die zahlreichen Stufen zu unserem „Basislager“ auf der Tribüne hoch – ein untrügliches Zeichen, dass durchaus noch ein Schwung Körner übrig war, den sie unter Umständen auch in das Rennen hätte investieren können. Aber auf Grund der gemischten und nicht an den Altersklassen orientierten Startgruppen hat ihr in einer eher langsamen Gruppe wohl so ein wenig der Tempobezug gefehlt, und für 100 Prozent Vollgas von Anfang an braucht es einfach noch etwas mehr Erfahrung aus ein paar Rennen. Am Ende war es Platz sieben. Und schnell erholt war bis zur Siegerehrung noch Zeit, mit ihren Freundinnen von den Duisburger Einradzebras über den Rasen im Stadioninnenraum zu fetzen.

Was gibt es sonst noch zu erzählen:

Die Meisterschaft war einfach nur brillant organisert mit stimmigem Konzept von Anfang bis Ende. Ein große Mannschaft an Helfern, geführt von einem ebenso kompetenten wie teamfähigen Chef, war die Basis für den Erfolg. Und neben dem stabilen Grundgerüst der eigentlichen Wettbewerbe hatte man auch die vielen kleinen Details gut im Griff, wie zum Beispiel richtig schöne Siegerehrungen ohne Chaos und Hektik, wie leider schon oft erlebt. Das Ganze hatte Format und war Deutschen Meisterschaften absolut würdig.

Insgesamt konnten wir eine Entwicklung hin zur Spezialisierung beobachten. Die klassischen Allrounder sind nur noch sehr selten. Hervorragende Leistungen in Sprung UND Rennen gleichzeitig gibt es fast nicht mehr.

In der U13, die haben wir in erster Linie beobachtet, geht leistungsmäßig gewaltig die Post ab!!! Da werden Zeiten gefahren, die lassen uns mit den Ohren schlackern: 15,66s über 100 Meter, 1:03,72min über 400 Meter oder eben 7,70s über 30 Meter Wheelwalk. Aber auch Jettes 1,80 im Weitsprung sind weit überdurchschnittlich. Die Sportart wird professioneller und vor allem in den reinen Rennvereinen ganz offensichtlich mit großer Ernsthaftigkeit betrieben.

Der BDR hat die Rennen fest in der Hand. Vom EVD kommen nicht viele Talente nach oder sie fahren nicht zu den Wettkämpfen. Nun ist Münster zugegeben nicht gleich um die Decke für die Bayern. Aber eine Deutsche Meisterschaft, und noch dazu eine verbandsübergreifende, gibt es nur einmal im Jahr. Wer hier gewinnt, ist wirklich Deutschlands Bester. Schade, dass das für einige Einradsportler nicht Anreiz genug ist.

Wir jedenfalls waren schwer angetan von der wunderbaren Organisation und dem tollen Flair in den drei Tagen im Münsterland.

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