Der RhEinrad-Cup in Bonn

Der RhEinrad-Cup in Bonn

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    Zum ersten Mal waren wir beim RhEinrad-Cup, der gerade seine dritte Auflage erlebte, zu Gast. Mit 600 Anreisekilometern hätten wir die Kategorie „weiteste Anfahrt“ wohl mit Abstand gewonnen. Die erfreuliche Anzahl von über 100 Teilnehmern setzte sich vorwiegend aus Fahrern der Bundesländer NRW und Niedersachsen zusammen, dazu kamen einige Gäste aus den Niederlanden und aus Belgien.

    Hat es sich gelohnt, für diesen Ein-Tages-Wettkampf nach Bonn zu fahren? Ja, das hat es.
    Und warum? Weil es ein sehr gut organisiertes Event war mit einer überaus freundlichen Atmosphäre in einem wunderbaren Stadion und mit der gewohnt perfekten Betreuung durch Lars und Jan Vocke im Bereich der Zeitnahme und Auswertung. Und weil wir viele Mitstreiter treffen konnten, die uns im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. Unser großes Dankeschön geht deshalb an den Ausrichter, an alle Helfer und Unterstützer und ans Catering – dafür, dass dieser Wettkampf angeboten wurde. Für uns kam er zur rechten Zeit.

    Dass obendrein das Wetter so gut mitspielte, erwies sich als das Sahnehäubchen on top.

    Auf dem Zeitplan standen zehn Disziplinen, darunter erfreulicherweise auch Coasting und die Sprungwettbewerbe, letztere sogar indoor. Im Vorfeld waren wir ein wenig in Sorge darüber, wie man dieses umfangreiche Programm an einem einzigen Tag über die Bühne bringen wollte, ohne erst in der Dunkelheit der späten Abendstunden fertig zu werden. Eine zwei- oder sogar zweieinhalbtägige Renn-Meisterschaft hat letztlich nurmehr die 800m und die lange Staffel zusätzlich in petto. Aber es gelang perfekt: mit guter Struktur, mit Pünktlichkeit auf allen Ebenen und mit flotter Auswertung eines jeden Laufs, so dass die Rennen zügig nacheinander stattfinden konnten. Und immer und überall traf man auf Freundlichkeit und Wohlwollen. Gegen 19 Uhr befanden wir uns bereits auf dem Weg zu unserer Ferienwohnung, denn es waren alle Wettbewerbe und sämtliche Siegerehrungen erledigt – Chapeau !

    In vielerlei Hinsicht erfüllte der Wettkampf für uns Trainingszwecke. Mit ihm bot sich die Chance, zumindest einmal vor der BM auf der Rennhexe gesessen zu haben. Weder Jette noch Micha haben die Zeit oder die Möglichkeit, für Rennwettbewerbe zu trainieren, Timo ist zumindest hin und wieder einmal auf einer Bahn nahe seines Heimatortes und dreht dort in bewundernswerter Eigeninitiative seine Runden. Für ihn sind die Einradrennen eine noch sehr neue Disziplin und eine Ergänzung zu seinen bemerkenswerten Skills im Bereich Langstrecke und Muni. Sie bedeuten Herausforderung, an der er wachsen will und wachsen kann. Der RhEinrad-Cup, die BM in Gilching und die DM in Illertissen dienen also in erster Linie als Vorbereitungs-Camps auf die UNICON in Steyr.

    Der Tag startete mit den 200 Metern, bei denen Micha der Konkurrenz in der AK Open mixed in erstaunlicher Weise davonfuhr.

    Timo stieg leider gleich am Start zu dieser Strecke ab. Die Bahn 4, auf der er ins Rennen gegangen wäre, war noch nass nach den Regenfällen der letzten Woche. Und so blieb er nicht der einzige, dessen Reifen im Moment der ersten Kraftübertragung durchdrehte und ihn aus dem Sattel holte. Seine AK war fast schon ein vorgezogener WM – Endlauf. In Steyr kommen als Konkurrenz vermutlich nur noch Sebastian Attenberger von den Hockey-Tigers, Jelle Jacobs aus Belgien und der eine oder andere Starter aus Japan dazu.

    Jette stieg über 50m Einbein ins Geschehen ein. Noch ein wenig angeschlagen nach der „ELSBET-Grippe“, die große Teile der Teilnehmer des gleichnamigen Muni-Events über Pfingsten in der Schweiz ereilt hatte, musste die Anzahl der Einfahrdurchgänge achtsam gewählt und vor allem minimal gehalten werden, um nicht schon im ersten Wettbewerb das Pulver zu verschießen. Dafür waren der 3. Platz in der AK und der 5. Platz im Finale dann gar nicht so übel.
    Gewonnen hat sie Coasting und den Weitsprung, beides mit Leistungen, die zwar mit gutem Abstand für den Sieg sorgten, für ihre persönlichen Ansprüche aber grundlegend nicht zufriedenstellend gewesen wären. Unter den besonderen Bedingungen aber – Infekt und noch kein Renntraining in 2026 – war das dann doch ganz akzeptabel. Platz zwei wurde es im Wheelwalk, sowohl in der AK als auch im Finale. Den Hochsprung ließ sie weg, die Kraft dafür war noch nicht wieder da. Auch für den IUF-Slalom reichte das Vertrauen in die wiedererlangten Kräfte noch nicht, um die notwendige Anzahl an Einfahrdurchgängen zu absolvieren. Hierfür mussten drei Kreiselrunden langen. Trotzdem genügte erstaunlicherweise eine Zeit, die sie zuletzt in der U13 gefahren ist, um auf Platz 3 zu kommen.

    Timo wurde Dritter im Coasting und erreichte über 400 Meter das Finale. Sein AK-Vorlauf musste dabei wiederholt werden, das Startsignal hatte die Zeitmessung nicht rechtzeitig ausgelöst, und so stand bei der Zieldurchfahrt des Führenden der Fabelweltrekord von 48 Sekunden auf der Anzeigetafel. Timo nahm es als Geschenk, das ihm ermöglichte, Erfahrung zu sammeln und zu üben. Seine Challenge ist nun, auf die Trittfrequenz zu kommen, die ein Gert-Jan oder ein Malte ihm voraus haben, weil sie seit über 10 Jahren für Training und Wettkampf auf der Rennhexe sitzen. Platz 4 in AK und Finalwertung wurde es jeweils im Weit- und im Hochsprung.


    Michas weiterer Tag bestand aus souveränen Siegen über 100 m, 400 m und im IUF-Slalom sowie dem Einzug ins Wheelwalk-Finale. Nur im 50-m-Einbeinrennen lief nicht alles nach Plan – dort stieg er bei 49 Metern ab.

    Tags darauf auf dem 600 km langen Rückweg hatten wir dann reichlich Zeit, noch einmal intensiv über das Prinzip der Ehrungen in Bonn zu reflektieren und zu diskutieren. Für den RhEinrad-Cup in Bonn, aber auch für so manch andere Renn- und Muni-Veranstaltung würden wir uns wünschen, dass man wieder mehr zu den Ursprüngen des Wertens und des Ehrens zurückfindet und vom gerade zeitgeistigen Verkomplizieren der Resultate ablässt.

    Als die Autorin jung war, betrieb sie intensiv Leichtathletik: viermal Training pro Woche, zahlreiche Wettkämpfe an den Wochenenden – indoor wie outdoor – verteilt über das ganze Jahr. Die Welt war noch einfach: Es gewann stets der, der am schnellsten lief, am weitesten warf oder am höchsten sprang bzw. derjenige, der im Mehrkampf in der Summe aller Disziplinen die Nase vorn hatte. Es bestand immer eine eindeutige Korrelation zwischen Leistung und Platzierung. Das gab dem Sport Struktur und dem Leben Halt.

    Es war eine herrlich übersichtliche Zeit. Niemand kam auf die Idee, den Sieger erst nach Wettkampfende anhand einer Formel aus dem Bereich der Prozentrechnung zu ermitteln. Niemand erklärte dem Erstplatzierten, dass er zwar als Erster angekommen sei, aber leider nicht gewonnen habe. Niemand wurde mitten im Rennen aus dem Rennen genommen, weil er eine willkürlich festgesetzte Zeit überschritten hatte. Und niemand hielt all das für besonders innovative Ideen. Der Sport hatte etwas Beruhigendes. Zwischen Leistung und Ergebnis bestand eine Beziehung – eine geradezu altmodische Vorstellung, wie man heute zuweilen feststellen muss.

    Viele Jahre später verbringt die Autorin wieder einen erheblichen Teil ihres Lebens in Sporthallen, auf Rundbahnen und in Wettkampfgeländen. Die Sportart heißt nun Einradfahren, die Spikes wurden gegen Schuhe ohne Einschraubnägel ausgetauscht, geblieben aber ist der Geruch von sonnenwarmem Tartanbelag oder von staubgetränkter Turnhallenluft. Doch eines hat sich grundlegend verändert: Die Frage, wer gewonnen hat, lässt sich nicht mehr zwingend dadurch beantworten, wer gewonnen hat: Es bekommt nicht mehr immer derjenige eine Medaille umgehängt, der mit großem Abstand vornweg gefahren ist, der die Hütchen des Slaloms am schnellsten umkreiste oder der in der Addition der Einzelergebnisse vorn liegt.
    Nein, man müht sich zusehends, die Wertungen zu verwirren und damit unnötig zu erschweren.

    Dieses Prozedere hat zum Beispiel der Bereich Muni für sich entdeckt, wo man seit einigen Jahren Cut-off-times nutzt und diese in oft seltsamer Art und Weise zur Anwendung bringt. Aber auch bei den Rennwettbewerben mangelt es nicht an Kreativität. In regelmäßigen Abständen taucht die Idee auf, Teilnehmer zu disqualifizieren, wenn sie während des Wettkampfs die geforderten Qualifikationszeiten oder -weiten nicht erreichen. Eine Meisterschaft sollte aber für sich stehen. Wer sich qualifiziert hat, hat sich qualifiziert. Punkt. In praktisch jeder anderen Sportart ist das so. Wettkämpfe finden nicht im Labor statt. Es gibt Regengüsse, Gegenwind, Hitze, Kälte, Nervosität, Materialprobleme und tausend andere Faktoren, die eine Leistung beeinflussen können. Und bei all den Bemühungen um professionelle Außenwirkung sollten wir auch nicht vergessen: noch immer sind wir eine Sportart, die überwiegend von Ehrenamtlichen organisiert, von Amateuren betrieben und aus privater Tasche finanziert wird. Das ist keine Schwäche. Es ist die Realität.

    Der Lohn des Künstlers ist der Applaus. Der Lohn des Athleten ist die Siegerehrung. Ob diese mit Medaille, Urkunde, Pokal, Händedruck oder einem freundlichen Nicken erfolgt, spielt dabei kaum eine Rolle. Anerkennung und Würdigung gehören im Wettkampfsport schlicht zum Gesamtpaket. Eigentlich eine erstaunlich unkontroverse Auffassung. An dieser Stelle hilft der berühmte Perspektivwechsel. Man stelle sich vor, man fährt durch mehr als die halbe Republik zu einem Wettkampf, kämpft bis zur Erschöpfung, gewinnt vier Disziplinen mit großem Abstand und reist anschließend wieder nach Hause, als hätte man den Tag damit verbracht, unbeobachtet auf der Tribüne zu sitzen. Einem unserer Fahrer ist das in Bonn so gegangen, das sonderbare Auswertungs- und Ehrungsmanagement vergaß ihn und seine Leistungen fast komplett. Nun mag die Ausschreibung zwischen Zeitplan, Datenschutzerklärung und Haftungsausschluss diese Vorgehensweise angekündigt haben. Das ändert jedoch wenig daran, dass es sich um eine bemerkenswert effektive Methode handelt, die Fahrer darüber nachdenken zu lassen, ob sie ihre Wochenenden künftig nicht doch lieber anderweitig verbringen wollen..
    Wer zuerst durch Ziel fährt, hat gewonnen – so simpel kann und so simpel sollte es sein.
    Wie schön wäre es, fände man im Einradsport auf diesen klassischen Weg der Wertschätzung zurück.

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