Rückblick – Die UNICON in einigen Sätzen
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Rückblick – Die UNICON in einigen Sätzen

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Das war sie nun – die UNICON 18 in San Sebastian 2016!

Ein Einradfest – fürwahr, mit Aufs und Abs, Höhen und Tiefen, keines ohne Ungereimtheiten – aber doch eine absolut coole Zeit im Baskenland! Auch eine anstrengende. Körperlich strapaziös war es, Kraft kosteten der fehlende Schlaf, das unregelmäßige und oftmals auch nicht immer so gesunde Essen. Kräftezehrend auch die emotionalen Berg- und Talfahrten in diesen zwei Wochen – Freude, Glück, Erfolge, aber auch Niederlagen, Enttäuschungen oder Benachteiligungen reihten sich wie auf einer Perlenschnur der Gefühle aneinander. All das musste von den Sportler in kürzester Zeit verarbeitet oder zumindest so weggeschlossen werden, dass es sie nicht sonderlich behinderte. Jeder Teilnehmer kämpft in der kompakten Abfolge so vieler Wettbewerbe mit dieser ganzen Palette an Emotionen, denn keiner ist nur durchgehend erfolgreich. Aber all diese Stimmungen prägen und bringen voran, die positiven wie die negativen.
Es ist ein Vergnügen, so viele Einradler aus so verschiedenen Ländern der Erde zu treffen und zu sehen, wie diese den Einradsport betreiben und worauf sie dabei besonderen Wert legen. Und es ist ermutigend zu erleben, wie diese große Gemeinschaft grundunterschiedlicher Menschen so friedlich und freundlich miteinander umgeht.

San Sebastian ist eine wundervolle Stadt, sehr sauber und gepflegt, mit prachtvollen Bauten, an denen zahlreiche attraktive Details das Auge des Betrachters erfreuen, und absolut schönem Strand. Uns ist aufgefallen, dass man selbst die neueren Lückenbauten geschickt dem Stil der vorhandenen Bausubstanz angepasst hat. Die Bürgersteige und die verkehrsberuhigten Boulevards sind mit Natursteinen verschiedener Farben ausgelegt und zaubern Muster von ästhetischer Symmetrie  auf die Wege.
Wunderbar auch das Klima hier in Nordspanien. Angenehm warm in der Sonne, erholsam kühl im Schatten, immer ein wenig Wind, und die offensichtlich vorhandene hohe Luftfeuchtigkeit merkte man weniger an der eigenen Befindlichkeit, als eher daran, dass die Wäsche ewig brauchte, um zu trocknen.

Unser Ferienhaus in Tolosa war nur zu 80 Prozent fertig und in Ordnung, dieser Umstand ist uns häufiger begegnet in unserer Zeit in Nordspanien. Eigentlich eine schöne Immobilie in exponierter Lage, müsste an ihr aber dringend einiges in Stand gesetzt werden. Manche Bereiche, wie die von uns ausgiebig genutzte überdachte Terrasse, wären mit einem Tag Arbeit in Schuss zu bringen und dann wahre Schmuckstücke. Aber trotz allem hat uns die Unterkunft gut beherbergt, und nachdem sich die diversen Mängel nach ein paar Tagen weggeguckt hatten, war es doch ganz behaglich in diesem Domizil. Perfekt funktioniert hat unsere WG auf Zeit. 11 humorvolle und tolerante Menschen auf einem Haufen – es war uns ein besonderes Vergnügen!

Für einen Rückblick auf die Wettkämpfe selber muss man das komplexe Projekt in Einzelteile zerlegen.

Einer Weltmeisterschaft würdig waren die Rennwettbewerbe. Andreas Rodler und das Swiss Timing Team sorgten gewissenhaft dafür, dass die Bahnwettkämpfe wunderbar geschmeidig und reibungslos über die Bühne gingen und für uns das Highlight der UNICON18 waren.

Auch nahe an der Perfektion waren die Trialausscheidungen. Kristian Sommer aus Dänemark zeichnete für diese verantwortlich und bescherte den Teilnehmern und den Zuschauern attraktive Wettbewerbe mit kreativen und spektakulären Hindernissen und mit einer weltmeisterlichen Atmosphäre.

Gut gelungen auch die 10 Straßenkilometer unter der Leitung von Olaf Schlote. Zwar gab es bei der Auswertung ein paar kleine Stolperer wegen nicht eindeutig zugeordneter Transponder, doch die wurden mit „Nachsitzen“ und Fleißarbeit seines Teams bereinigt, so dass nach mehreren vergeblichen Anläufen dann doch eine Siegerehrung stattfinden konnte.

Ganz passabel die Freestylewettbewerbe was den Zeitplan, die Halle und die Qualität der abgespielten Musik anbelangte. Nach wie vor aber gibt es keine unabhängige Jury bei den Küren, ähnlich eines Swiss Timing Teams bei den Rennen. So saßen Judges im Kampfgericht, die ihre eigenen Vereinsmitglieder, in den Einzelküren zum Teil sogar ihre Paarkürpartner bewerteten. Das ist schon bei Bezirks- oder Landesmeisterschaften eine stets unerfreuliche Tatsache, bei einer WM jedoch geht das gar nicht. Es fehlte leider an Multimedialtechnik, die für alle sichtbar macht, wer da gerade an den Start geht und zu welchem Kürthema. Es mangelte an Trainingsmöglichkeiten, weil der Veranstalter die Ballsportarten teilweise auf einem Betonplatz austragen wollte und sich die Spieler zurecht schon bald nach Beginn des Turniers beklagten, dass es zu überdimensional vielen schweren Verletzungen gekommen war. Also zogen die Teams in die Freestylehalle um, und es reduzierten sich die Trainingszeiträume auf ein Minimum.

Bedauerlich das nur geringe Augenmerk auf die Wettbewerbe im Weit- und Hochsprung, und da diese eine Domäne der Garser sind, finden wir das immer besonders betrüblich. Allesamt wurden sie auf der Teerstraße ausgetragen, weil man die Springer nicht ins Stadion lassen konnte. Es gab nicht ausreichend Sprunganlagen, und die vorhandenen waren alles andere als WM-tauglich.
Fürs Weitsprungfinale am ersten Wettkampftag um 22 Uhr fehlte Licht, weil die Beleuchtungstechiker schon nach Hause gegangen waren. So schob man den Finaltermin hin und her, kam dann noch mit dem Wetter in Kollision und legte ihn schlussendlich auf einen Abend gleichzeitig mit Uphill und Downhillgliding, keine geschickte Entscheidung.

Den Vogel abgeschossen jedoch haben die MUniwettbewerbe, allen voran der Crosscountry in der Beginnerversion, der mitten im Wettbewerb abgebrochen werden musste, weil irgendwann keiner der Fahrer mehr wusste, wo überhaupt hin und sich einige Starter schon hoffnungslos verfahren hatten und erst mal wieder im weitläufigen Gelände des Monte Ulia gesucht werden mussten. Einsprüche wegen falsch gefahrener Teilstrecken gab es beim Elitekurs. Ob man den nun veröffentlichten Ergebnissen trauen kann, bleibt fraglich.
Falsche Auswertung kostete beim Downhill mehreren Fahrern die verdiente Finalteilnahme und damit die Möglichkeit, um den Weltmeistertitel zu kämpfen. Andere Starter erschienen gleich gar nicht in den Resultatslisten.
Auch beim Uphill gab es paradoxe Ergebnisse, Einsprüche, neue Ergebnislisten, daraufhin wieder Einsprüche, und ob die nun geehrten Weltmeister tatsächlich die sind, die am schnellsten den Berg hinaufgestrampelt waren – wer weiß?
Die Organisation der Geländewettbewerbe – einer Weltmeisterschaft unwürdig und respektlos den Leistungen der Einradsportler gegenüber.

Eine dominierende, aber leider nicht prämierte Disziplin bei dieser UNICON war das Warten auf immer wieder kurzfristig verschobene Ereignisse aller Art. Wir warteten in rekordverdächtiger Weise auf angekündigte und dann doch nicht abgehaltene Siegerehrungen, wegen sich ewig hinziehender, enorm verspäteter oder auch gleich mal ganz vertagter Wettkämpfe
Die Damen und Herren am Info-Point wussten dann nicht immer eine hilfreiche Antwort. Sie hatten aber auch einen schweren Stand. Zu den üblichen „vermisse mein Einrad“, „wo fährt der Bus ab“ oder „meine Startnummer ist kaputt“ Problemchen, überrollte die Auskunftler hier ein regelrechter Sturm empörter Crosscountrystarter, von Protesten gegen unerklärliche Ergebnisse oder Fragen nach der eigenen, in den Resultatslisten nicht auffindbaren Leistung. Nicht jeder am Info-Point besaß dann die menschliche Größe, geduldig und freundlich zu bleiben…

Zum Abschluss aber gab es dann noch ein Highlight und das vielleicht am besten organisierteste Event der ganzen UNICON – die Riesenpaellapfanne von „Paella Gigantes Riquelme“ – einer Firma, die mit einer Pfanne von drei Metern Durchmesser anrückte, diese per Kran auf eine nur mit Holz betriebene Feuerstelle hob, frontcookingmäßig eine total leckere Paella zauberte und diese rucki-zucki mit Plan, System und ohne Stress an 1.000 Einradler verteilte. Respekt! Von denen lässt sich lernen, wie man so etwas inszeniert.!

www.konstantinhoehne.de

2018 trifft sich die Einradwelt zur UNICON 19 in Südkorea. Bleibt zu hoffen, dass die Koreaner die positiven Dinge mitnehmen in ihre WM-Organisation und schon im Voraus aus den Schlappen der UNICON 18 lernen.

KH__5331

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