Freitag, 15. August
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Freitag, 15. August

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Die ganze Nacht über hat der Sturm an unserem mobilen Häuschen gerüttelt und es hin und her schaukeln lassen. Trotzdem haben wir uns wohl und sicher gefühlt und prima geschlafen. Heute morgen scheint die Sonne über der Georgian Bay – wir können`s kaum glauben nach den drei Tagen im Dauerregen. Das Tiefdruckgebiet soll durch sein. Hoffen wir mal, dass die Vorhersagen stimmen!!!

Das Wasser in diesem Teil des Lake Huron soll laut Reiseführer im August Adriatemperaturen haben. Pustekuchen – uns erinnert es eher an Ostsee im Mai. Der Sturm hat die ufernahen, warmen Wassermassen auf die offene See hinaus getragen und kältere Wassermengen ans Ufer gespült.

Unser Frühstück kann heute draußen stattfinden – ein kulinarischer Genuss vor grandioser Kulisse!

Nach der üblichen Abkoppel- und Entsorgungsaktion brechen wir dann in Richtung Niagara Fälle auf. Auf unser bei Canadream geliehenes Navi können wir uns leider nicht verlassen. Falls wir das tun, sind wir verlassen. Das darin gespeicherte Kartenmaterial scheint älteren Semesters zu sein. Straßen, die nicht mehr aus der Ära der Erstbesiedlung Kanadas stammen, kennt das Teil offenbar nicht. Wenn wir uns dann nach mehreren Runden im Kreisverkehr und intensivem Kartenwälzen für eine Richtung entschieden haben und schon eine Weile in diese fahren, fällt auch der retardierten Dame im Navi auf, dass wir wohl richtig unterwegs sein könnten.

Micha sitzt am Steuer, Konstantin gibt den Beifahrer. Wir beiden Damen lümmeln auf der Couch seitlich zur Fahrtrichtung. Auch dort sind Anschnallgurte installiert, und es fährt sich so recht gemütlich. Zwei weitere gibt es an den Bänken am Tisch. Man kann während der Fahrt sogar Dinieren, wenn man fix ist und die Teller und Becher, die in Kurven und bei überraschenden Bremsungen davon rutschen, reflexartig erwischt.

Auf einer achterbahnähnlichen Straße „reiten“ wir momentan in den Süden Ontarios. Sie ist schnurgerade und wellig wie ein Gymnastikband, das man mit der Hand zum Schwingen bringt.

Gerade haben wir den Riverside Park Campground unweit der Niagara Fälle erreicht, gelegen direkt am Niagara River und zwei schöne Plätze gefunden, diese reserviert und sind gleich noch mal zu den Niagarafällen aufgebrochen. Eine kleine Straße führt ca.15 km entlang des Flusses bis dorthin, das Flussufer auf der einen Seite und wie Perlen auf einer Schnur aufgefädelt die wunderschönsten Luxuswohnhäuser auf der anderen. Hier scheinen die Reichsten der Reichen ihr Domizil zu haben: große, bis ins Detail gestylte Grundstücke mit den herrlichsten Grünanlagen davor, alles sorgsamst gepflegt, eine Blumenpracht, die nur ein Gärtner in solcher Perfektion anlegen kann – alles wie in einer Filmkulisse.

Überhaupt sind alle Anlagen, auch die öffentlichen, in der Umgebung der Wasserfälle penibel in Ordnung, jeder Grashalm auf 5 cm Länge gestutzt (da wird der Mähverantwortliche nicht arbeitslos) und wundervollster Blumenschmuck, wohin das Auge blickt.

Und die Wasserfälle selbst? Sind natürlich gewaltig, aber völlig anders, als wir sie uns vorgestellt hatten. Zu unserem Erstaunen befindet sich das ganze Spektakel ja nahezu mitten in einer Stadt, rundherum Hochhäuser, Hotelkomplexe, Casinos, Geschäfte. Dass man das Naturschauspiel „Niagarafälle“ kommerzialisiert und inszeniert, hatten wir zur Genüge gelesen, aber dass man eine komplette Stadt drumherum gestellt hat, war des Schreckens doch zu viel. Und dann diese Menschenmengen, wirklich erleben und genießen lassen sich die tosenden Wassermassen vermutlich nur am aller frühesten Morgen. Mit einem wirklichen Naturereignis hat das nur noch entfernt zu tun. Den Vergleich mit dem Gulden Foss, dem größten Wasserfall in Island, den wir im letzten Sommer gesehen haben, verlieren die Niagara Fälle ganz klar.

Am Abend hat Konstantin uns noch ein wunderschönes Lagerfeuer gezaubert, an dem wir lange gesessen und geschwatzt haben.